top of page
FBK-Logo-2022_RGB

Botanische Kunst

Ein Artikel von Sylvia Peter und Dr. Renate Hücking

Botanische Kunst (engl. Botanical Art) bezeichnet die Darstellung von Pflanzen in der bildenden Kunst. Dabei bilden eine oder mehrere Pflanzen oder Pflanzenteile den alleinigen Inhalt des Werkes. Begleitend sind manchmal mit der Pflanze in Verbindung stehende (z.B. bestäubende) Insekten dargestellt.

Anders als die botanische Illustration entsteht botanische Kunst aus dem ästhetischem und persönlichem Interesse der Künstler für die Pflanzenwelt und nicht im Auftrag der Wissenschaft als Anschauungsmarerial für naturkundliche Zwecke (z.b. in Kräuterbüchern). Dabei bleiben die Übergänge zu den Gattungen Wissenschaftliche Illustration und Stillleben fließend. Botanische Kunst bildet die Pflanzen, ihren Wuchs, ihre Blätter. Blüten oder Wurzeln genau und farblich korrekt ab, oft jedoch vergrößert oder verkleinert.

Überwiegend verwendete Techniken sind Malerei und Grafik, insbesondere Aquarell und Farbstift. Bisweilen werden in Ausstellungen auch Skulpturen, Fotografien und Installationen mit botanischen Themen eingebunden.

Geschichte

Der Begriff Botanical Art taucht erst im 20. Jhd. auf, als Künstler wie Rory McEwen oder Margaret Mee die Pflanzen zum alleinigen Thema ihrer Bilder machten. Frühere Werke werden meist der wissenschaftlichen Illustration zugeordnet. 

Vor dem Hintergrund der Diskussionen über den Erhalt der Biodiversität erlebt die Pflanzenmalerei seit den 1980er Jahren einen Aufschwung. Das zeigt sich nicht nur an der wachsenden Zahl von Künstlern und ihrer viel beachteten Werke, sondern auch an der regen internationalen Ausstellungstätigkeit.  

2008 öffnete in Kew Gardens bei London das erste, der Botanischen Kunst vorbehaltene Museum. Die Shirley Sherwood Gallery of Botanical Art zeigt Werke aus der umfangreichen Sammlung von Dr. Shirley Sherwood sowie Gemälde aus dem historischen Fundus von Kew Gardens.

Die erste Gesellschaft für Botanische Kunst, die SBA (Society of Botanical Artists), wurde 1985 in Großbritannien von Suzanne Lucas gegründet, In vielen anderen Ländern folgten Künstler diesem Beispiel. Die größte Gesellschaft für Botanische Kunst ist die ASBA (American Society of Botanical Artists) mit fast 2000 Mitgliedern aus 39 Ländern.

Botanische Kunst im deutschsprachigen Raum

Den deutschen Begriff "Botanische Kunst" etablierte das 2009 von Sylvia Peter und Michael Junginger gegründete Forum Botanische Kunst. Die gleichnamige Galerie in Thüngeresheim zeigte von 2009 bis 2025 regelmäßig botanische Kunst von internationalen Künstlern. 

Zwischen 2010 und 2018 fanden im Palmengarten Frankfurt zweijährlich Ausstellungen der Britischen Society of Botanical Artists statt.

2012 erschien das erste deutschsprachige Buch über Botanische Künstlerinnen: "Blumenmalerinnen" von Dr. Renate Hücking.

2014 riefen die Künstlerinnen Sylvia Peter und Verena Redmann das Netzwerk Botanische Kunst ins Leben. Es lädt zu jährlichen Treffen ein, auf denen der kollegiale Austausch wichtig ist und praxisbezogene Workshops stattfinden. 

 

2018 und 2025 organisierten die beiden Künstlerinnen gemeinsam mit dem Netzwerk Botanische Kunst den Deutsch-Österreichischen Beitrag zur weltweiten Ausstellungsreihe „Botanical Art Worldwide“ in der Galerie Forum Botanische Kunst, Thüngersheim. 
 

Seit 2016 veranstalteten zahlreiche Kunstvereine wie der Kunstverein Kehdingen (2016), das Kunstforum Seligenstadt (2017), der Verein Kunstreich Walldürn (2023) sowie der 2023 gegründete Verein für Botanische Kunst e.V. (2024) Ausstellungen mit Botanischer Kunst. Die Stiftung Seeburger in Maulbronn nahm Botanische Künstler und Künstlerinnen in ihr Artist in Residence Programm auf.

In Österreich formierte sich 2017 unter dem Namen „Wiener Schule der Botanischen Illustration“ ein Verein, der sich der langen Tradition der wissenschaftlichen Zeichnung verpflichtet fühlt und alle zwei Jahre zu einem Symposium mit dem Titel "GET TOGETHER" in den Botanischen Garten der Universität Wien einlädt.     

In der Schweiz wurde 2018 der Verein Botanische Kunst Schweiz gegründet. Die Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) in der Schweiz bietet eine dreijährige Ausbildung in Botanischer Illustration an.

Quellen:

Hücking, Renate „Blumenmalerinnen“, München 2012

Privett, Sean “Grootbos Florilegium”, Kapstadt 2022 (englisch)

Anna Król, ”Exploring Botany – Botanical Art in the 21st Century”, Manggha Museum of Japanese Art and Technology, Krakau 2021 (polnisch/englisch)

Sherwood, Shirley „The Shirley Sherwood Collection: Modern Masterpieces of Botanical Art“, London 2019 (englisch)

Journal of the American Society of Botanical Artists, “The Botanical Artist” Ausgabe 29, März 2023 (englisch)

Irish Society of Botanical Artists “Botanical Art Worldwide 2018 éireannach”, Dublin 2018 (englisch)

Bedeutende Ausstellungen in Deutschland (Auswahl)

2010 – 2018 zweijährlich: Ausstellung der SBA im Palmengarten, Frankfurt

2012 The Highgrove Florilegium - Aus dem Garten von HRH The Prince of Wales, Botanisches Museum, Berlin-Dahlem

2012 "Pflanzen in Gefahr" - Werke aus der Londoner Shirley Sherwood Collection, Städtisches Museum Reithalle, Paderborn

2018 „Floras neue Meister“, Deutsch-Österreichischer Beitrag zur weltweiten Ausstellungsreihe „Botanical Art Worldwide I“, Forum Botanische Kunst, Thüngersheim

2025 „Die Vielfalt der Nutzpflanzen“, Deutsch-Österreichischer Beitrag zur weltweiten Ausstellungsreihe „Botanical Art Worldwide II“, Forum Botanische Kunst, Thüngersheim

Sammlungen

Shirley Sherwood Collection, Shirley Sherwood Gallery, Kew Gardens, London

Hunt Institute of Botanical Documentation, Carnegie Mellon University, Pittsburgh

Literatur

Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, „Blätterrauschen Nr. 62 Botanische Kunst“, Berlin 2023

Hücking, Renate „Blumenmalerinnen“, München 2012

Sherwood, Shirley „The Shirley Sherwood Collection: Modern Masterpieces of Botanical Art“, London 2019 (englisch)

Woodin, Carol and Jess, Robin A., “Botanical Art Techniques”, Portland 2020 (englisch)

bottom of page