Monika Meinhart

Als wir Monika Meinhart in ihrem Atelier bei Bamberg besuchten, stand ein Strauß schlimm verwelkter Tulpen auf dem Tisch. „In diesem Zustand mag ich sie am liebsten“ sagt sie. ”Ich suche Bilder, die dem Leben nahe kommen”. Monika Meinharts Blumenfotografien sind Sinnbilder der Schönheit und der Vergänglichkeit. Wie sie die Ablichtungen von Rose, Lilie, Fresie präsentiert, ist geradezu grotesk. Einst feine Fotografien, im Mittelformat aufgenommen, im Labor auf Barytpapier ausbelichtet, unterzieht sie die Materialien dann einem groben Experimentierprozess. Die Fotopapiere werden, noch bevor die Fixierung richtig getrocknet ist, auf verschiedene Weise traktiert. Gefaltet, geknittert, in Schwarztee gekocht, in Blumenerde vergraben und gegossen. Hundert Jahre unsachgemäße Lagerung und Transporte in Überseekisten hätten wohl ein ähnliches Ergebnis hervorgebracht.  Und genau darum geht es: Um Zeit. Zeit verändert, Prozesse hinterlassen Spuren.

Diese zerbrechlichen, geschundenen Blumenbilder lassen in uns sofort starke Assoziationen auftauchen. Allein der Sepiaton beschwört die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts herauf. Die ausgewählten Blumen wurden auch damals schon in Sträußen verwendet. Sogenannte Kulturblumen, aus Blumenkulturen. Für den festlichen Anlass gedacht. Das Fest ist vorbei, die Erinnerung bleibt eine Weile, verblasst wieder.

Monika Meinhart erzählt keine Geschichten. Das überlässt sie unserer Phantasie. Wer hat wem diese Blume gebracht, vor so langer Zeit, wer trägt die Erinnerung an sie so lange im Herzen? Wurde die Liebe erfüllt, blieb die Freundschaft bestehen? Für Monika Meinhart sind es Fragmente persönlicher Erinnerungen. In unserer Phantasie können wir alles Mögliche machen, wenn unser Blick auf diese Blumen fällt. .

“Meine Bilder sind wie ein Tagebuch, ich kann sie durchblättern,
und jedes Bild hat seine Geschichte.”

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